ZKM | Museum für Neue Kunst, 17.09.2011 – 05.02.2012
 
Martin Kippenberger

* 1953 in Dortmund (DE), † 1997 in Wien (AT)

Ohne Titel, 1990

Martin Kippenberger, der mit Mitte vierzig starb, gilt als einer der herausragenden Vertreter der zeitgenössischen Kunst in Deutschland. Immer wieder schockierte er die Öffentlichkeit mit seinen provokanten, humoristischen und sarkastischen Kunstwerken. Durch seine berühmt-berüchtigte, exzentrische Lebensweise sowie seine stets unberechenbaren und multimedialen Kunstproduktionen erwarb er sich einen legendären Ruf, der selbst nach seinem Tod noch weiter wächst.Die Serie Ohne Titel, besser bekannt als Hotelzeichnungen, besteht aus Hunderten von Zeichnungen, die der Künstler im Lauf der letzten zehn Jahre seines Lebens auf Briefpapier verschiedener Hotels anfertigte. Obwohl er oft mehrere Monate im selben Hotel wohnte, verwendete er niemals das Briefpapier der Hotels, in denen er abstieg, sondern Papier, das er an verschiedenen anderen Orte mitgenommen hatte. Insgesamt umfasst die Serie Skizzen und Studien für Projekte, die den flüchtigen und paradoxen Wert der Kunst vor Augen führen. Da Kippenberger das Papier nicht nur als leeres Blatt oder als neutralen Hintergrund für Kunst betrachtete, verwandelte er einen gemeinhin schlichten Werkstoff in ein eigenständiges künstlerisches Medium. Als neu interpretierte Form von Readymades könnte man die Hotelzeichnungen als ironischen, aber auch biografischen Kommentar zum zeitgenössischen Kunstsystem verstehen, in dem der Künstler Subjekt und Objekt zugleich ist. (SG)

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Ohne Titel
, 1990