Moshekwa Langa »Ohne Titel«, 2003. Detail. Courtesy Galerie Mikael Andersen Berlin / Kopenhagen.
1992, zu einer Zeit, in der die Kunstwelt in Ausstellungen und Essays die hybriden Identitäten einer post-kolonialen Welt analysierte, schrieb der kroatische Künstler Mladen Stilinović in schwarzem Blocklettern auf ein quietschpinkes Protestbanner: 'An artist who cannot speak Englisch is no artist'. Stilinović machte damit deutlich, dass der 'Andere' in der Kunst derjenige ist, der nicht in ihren Diskursen mitreden kann - sei es durch fehlenden Zugang zu Ressourcen, Materialien oder Sprachbarrieren.Dass es oft Bilder sind, über die 'der Andere' als Fremder erst konstruiert wird, musste die russische Künstlergruppe AES Group erfahren, nachdem in Folge der Anschläge des 11. September ein Bild aus ihrer Serie The Islamic Project (1996-2003) - eine Burka-verschleierte Freiheitsstatue - fälschlicherweise begann, unter Schlagworten wie Sharia weltweit durch rechtskonservative Blogs und Websites zu kursieren. Seinen eigenen Anderen schuf sich dagegen der südafrikanische Künstler Moshekwa Langa: weil er selbst Fragen westlicher Journalisten wie 'Where is the Africa in your art?' müßig war, ließ er diese durch ein Alter Ego namens John Ruskin beantworten. Der südafrikanische Galerist Monna Mokoena plante für die diesjährige Biennale von Venedig auf eine ganz andere Art der 'Andere' zu sein - The Art Newspaper meldete kürzlich, dass er und das Mitglied der Biennale-Kommission Lethole Mokoena ein und dieselbe Person seien.
2003 realisierte der kosovarische Künstler Jakup Ferri eine Hommage an Stilinović‘s Protestbanner. In der Videoarbeit An Artist Who Cannot Speak Englisch is No Artist erklärte sich Ferri subversiv selbst zum Anderen: "I like to presentation my everything it disappear in your country, you know? With that I like to do with the monkey...", sprach er voller Ernst in sinnfreiem gebrochenen Englisch in seine Webcam und entzog sich auf diese Weise einem in den Sprachen des Westens zentrierten Kunstdiskurs.
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